03.09.2026 · Praxis · von Thorsten Haymann

BEM-Ablauf: Schritt für Schritt vom Fehlzeitenhinweis bis zum Abschluss

Ein BEM muss nicht kompliziert sein. Entscheidend sind ein klarer Ablauf, eine freiwillige Beteiligung und eine Dokumentation, die nur das festhält, was wirklich gebraucht wird.

1. Die Sechs-Wochen-Schwelle erkennen

Ausgangspunkt ist nicht das Kalenderjahr: Beschäftigte sind innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig. Dann ist ein BEM anzubieten. Ein verlässlicher Fehlzeitenprozess verhindert, dass diese Schwelle zufällig oder zu spät bemerkt wird.

2. Intern vorbereiten

Vor der Einladung sollten Zuständigkeit, vorgesehener Teilnehmerkreis, Datenschutzhinweise und ein ruhiger Gesprächsrahmen geklärt sein. Die direkte Führungskraft ist nicht automatisch die richtige Gesprächsleitung. Wichtig ist, dass die beschäftigte Person später mitentscheiden kann, wer beteiligt wird.

3. Verständlich und vertraulich einladen

Die Einladung erläutert Ziel, Freiwilligkeit sowie Art und Umfang der vorgesehenen Datenverarbeitung. § 167 Abs. 2 SGB IX verlangt diese Information vor der Entscheidung über die Teilnahme. Ein freundliches Schreiben und eine getrennte BEM-Akte schaffen mehr Vertrauen als eine knappe Standardmail.

4. Zustimmung und Teilnehmerkreis klären

Ohne Zustimmung beginnt kein BEM. Die beschäftigte Person kann eine Vertrauensperson eigener Wahl hinzuziehen; Betriebs- oder Personalrat, Schwerbehindertenvertretung und Betriebsarzt werden nicht schematisch, sondern nach Situation und mit Zustimmung beteiligt.

5. Erstgespräch und Ziele

Im Gespräch geht es nicht um Diagnosen. Es geht um die Frage, welche arbeitsbezogenen Belastungen, Ressourcen oder Rahmenbedingungen eine stabile Rückkehr unterstützen können. Ein gutes Ergebnis ist ein konkretes, gemeinsam getragenes Ziel – nicht ein möglichst langes Protokoll. Wie sich dieses Gespräch gezielt vorbereiten lässt, zeigt der Beitrag BEM-Gespräch vorbereiten.

6. Maßnahmen vereinbaren und nachhalten

Maßnahmen brauchen Verantwortliche, Termin und eine spätere Überprüfung. Das können etwa angepasste Arbeitszeiten, Hilfsmittel, eine stufenweise Wiedereingliederung oder die Einbindung externer Leistungsträger sein.

7. Abschluss dokumentieren

Ist das Ziel erreicht, sind Maßnahmen ausgeschöpft oder wird das Verfahren beendet, hält die BEM-Akte dies knapp fest. Die Aufbewahrung und spätere Löschung sollten vorab im Verfahren geregelt sein.

Wer den Ablauf nicht bei jedem Einzelfall neu erfinden möchte, kann ihn im Rahmen von BEM-Verfahren aufbauen fest verankern. Für die Fristenerkennung und Fallführung kann BEMPilot unterstützen.

Über den Autor

Thorsten Haymann begleitet Unternehmen bei der Durchführung und Gestaltung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Er verfügt über langjährige Führungs- und Personalerfahrung und hat sich in BEM, Arbeitsrecht und Datenschutz weiterqualifiziert.

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Ein BEM-Prozess, der im Alltag funktioniert

Ich unterstütze Unternehmen beim Aufbau klarer Rollen, Vorlagen und Abläufe.

Dieser Beitrag ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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